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    Wissensmanagement

    Wissensmanagement im Unternehmen: Warum die meisten Systeme scheitern und was stattdessen funktioniert

    Mag. Paul H. SchindlerMag. Paul H. SchindlerCEO, RECO19. August 20266 Min.

    Wissensmanagement im Unternehmen bezeichnet die Praxis, das Wissen einer Organisation systematisch zu erfassen, zu strukturieren und auffindbar zu machen, damit es nicht an einzelne Personen gebunden bleibt. Als eigenständige Managementdisziplin ist es in der internationalen Norm ISO 30401 beschrieben, die im DACH-Raum als DIN ISO 30401 übernommen wurde. Gemeint ist nicht das Ablegen von Dokumenten, sondern der Umgang mit dem, was tatsächlich den Unterschied macht: Kundenhistorien, Entscheidungsgründe, Preislogiken, technische Kniffe, das ungeschriebene Wie. In den meisten Unternehmen lebt dieses Wissen in Köpfen, in alten E-Mail-Verläufen und in Chats, die niemand mehr findet. Wie eng es an Einzelpersonen hängt, zeigt eine Befragung von Kyocera und Statista aus dem Jahr 2018: 38 Prozent der Beschäftigten in Deutschland und Österreich gaben an, dass viel oder sogar alles Wissen verloren ginge, wenn sie das Unternehmen ohne Übergabe verließen.

    Das Thema gewinnt gerade aus einem demografischen Grund an Dringlichkeit. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln, IW-Kurzbericht Nr. 78, Oktober 2024) erreichen bis 2036 rund 19,5 Millionen Babyboomer das Renteneintrittsalter, während nur etwa 12,5 Millionen jüngere Menschen nachrücken. Jede dieser Verrentungen nimmt Erfahrung mit, die selten dokumentiert ist. Das Bewusstsein dafür ist da, die Umsetzung nicht: Laut den Global Human Capital Trends von Deloitte (2020) halten 75 Prozent der Organisationen das Bewahren von Wissen für wichtig, aber nur 9 Prozent sehen sich dafür gut gerüstet. Was ein einzelner Abgang kostet, lässt sich grob mit unserem Wissensverlust-Kalkulator abschätzen; die sichtbaren Kosten sind dabei nur der kleinere Teil, wie wir in Was Fluktuation wirklich kostet aufschlüsseln.

    Der Grund, warum so viele Wissensmanagement-Projekte trotzdem versanden, ist fast immer derselbe. Klassische Systeme, ob Wiki, Confluence oder ein SharePoint-Ordner, verlangen, dass Menschen zusätzlich zu ihrer Arbeit dokumentieren. Dokumentation wird damit zur unbezahlten Zweitaufgabe, die als Erstes liegen bleibt, wenn es eng wird. Das Ergebnis kennt fast jeder: eine Wissensdatenbank, die zur Hälfte veraltet ist und in der niemand sucht, weil ohnehin klar scheint, dass die Antwort nicht drinsteht. Dass Informationen schwer auffindbar sind, ist dabei keine gefühlte Größe: Laut Gartner (2023) haben 47 Prozent der digital arbeitenden Beschäftigten Schwierigkeiten, die für ihre Arbeit nötigen Informationen zu finden. Das Problem ist nicht die Software. Das Problem ist die Annahme, dass Menschen dauerhaft freiwillig dokumentieren.

    Was sich geändert hat, ist der Ort, an dem Wissen erfasst werden kann. Der größte Teil des relevanten Wissens entsteht nicht beim Schreiben, sondern im Gespräch: im Kundentermin, in der Übergabe, im Projektmeeting, im Mitarbeitergespräch. Wenn diese Gespräche transkribiert, thematisch strukturiert und mit Quellenbezug durchsuchbar gemacht werden, entsteht die Wissensbasis nebenbei, als Nebenprodukt der normalen Arbeit. Genau hier setzt RECO an: Menschen fragen in natürlicher Sprache und bekommen belegte Antworten aus dem eigenen Unternehmen statt allgemeines KI-Rauschen. Worauf es bei der Auswahl eines solchen Werkzeugs ankommt, haben wir in Das beste KI-Tool für Wissensmanagement zusammengefasst.

    Für den Mittelstand mit 50 bis 500 Mitarbeitenden ist der Einstieg kleiner, als er klingt. Ein tragfähiges Vorgehen sieht meist so aus:

    1. Beginnen Sie mit einer Wissensart, nicht mit dem ganzen Unternehmen. Übergaben und wiederkehrende Kundentermine liefern den schnellsten sichtbaren Nutzen.
    2. Erfassen Sie Wissen dort, wo es entsteht, statt ein separates Wiki zu pflegen. Was zusätzlich zur Arbeit passieren muss, passiert nicht.
    3. Klären Sie Datenschutz und Mitbestimmung früh. In Deutschland ist der Betriebsrat einzubinden, in Österreich braucht es eine Betriebsvereinbarung; ein einseitiges Papier zu Zweck, Zugriff und Aufbewahrung löst die meisten Bedenken.
    4. Machen Sie das Ergebnis durchsuchbar und die Herkunft nachvollziehbar. Eine Antwort ohne Quelle wird nicht genutzt.
    5. Prüfen Sie nach acht Wochen, ob die Inhalte tatsächlich gesucht und gefunden werden. Wenn nicht, liegt es selten an der Technik und meist am Zuschnitt oder am Zugang.

    Wissensmanagement im Unternehmen ist damit weniger eine Frage des Werkzeugs als der Frage, ob Dokumentation im Arbeitsalltag entsteht oder daneben. Wer sie zum Nebenprodukt macht, sichert Erfahrung, bevor sie mit der nächsten Kündigung oder Verrentung das Haus verlässt. Für den strukturierten Einstieg bietet die frei verfügbare DIN SPEC 91443 eine speziell auf KMU zugeschnittene Leitlinie. Weitere Beiträge finden Sie im Themenbereich Wissenssicherung und Fluktuation sowie unter Wissenstransfer-Software für KMU.

    Quellen

    Häufige Fragen zu diesem Thema

    Was ist Wissensmanagement im Unternehmen?+

    Wissensmanagement im Unternehmen bezeichnet die systematische Erfassung, Strukturierung und Auffindbarkeit des Wissens einer Organisation, damit es nicht an einzelne Personen gebunden bleibt. Entscheidend ist weniger die Software als die Frage, ob dieses Wissen im Arbeitsalltag entsteht oder als zusätzliche Aufgabe daneben.

    Warum scheitern viele Wissensmanagement-Projekte?+

    Weil klassische Wikis und Ablagen verlangen, zusätzlich zur eigentlichen Arbeit zu dokumentieren. Diese Zweitaufgabe bleibt unter Druck als Erstes liegen, und die Wissensdatenbank veraltet. Nachhaltiger ist es, Wissen dort zu erfassen, wo es ohnehin entsteht, etwa im Gespräch.

    Wie startet ein Mittelständler mit Wissensmanagement?+

    Mit einer einzelnen Wissensart statt dem ganzen Unternehmen, meist Übergaben oder wiederkehrenden Kundenterminen. Datenschutz und Betriebsrat werden früh eingebunden, das Ergebnis wird durchsuchbar und mit Quelle versehen, und nach acht Wochen wird gemessen, ob tatsächlich gesucht und gefunden wird.

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